[aus Archiv KW 52 vom 23.12.2009]
Heute mal ganz etwas anderes: Montag nachmittag ist genau die Zeit, in der man mich besser nicht anruft. Mein alter Freund Felix Esch tat es doch und wie es seine unnachahmliche Art in so einer Situation ist, ließ er meinem freien Willen keinen Millimeter Entscheidungsraum: "Ich habe gerade Karten für Euch ausgedruckt, mein Lieber", sprach er, noch ehe er guten Tag gesagt hatte. "für die WDR 2 Filmpremiere, Do 20 Uhr. Ihr kommt doch!". Der Schlussatz hörte sich nicht wie eine Frage an.
So finde ich mich am Donnerstag um fünf vor acht in einem Zweiersitz an der Seite des großen Kinosaals wieder, genau richtig, als hätte jemand meine Vorliebe für einen stillen Beobachterplatz am Rand geahnt. Während Uli für das Popkornritual Schlange steht, schaue ich mir an, wie der Zuschauerraum sich langsam füllt. So ist die Aura eines großen Filmtheaters: schon im Zusammenkommen der Menschen ist sie durch und durch emotional-sozial.

Die Zeit in meinem Kopf läuft rückwärts zur Eröffnung des Kinos Stadt New York. Eine Jahreszahl habe ich zum Ereignis nicht im Sinn aber auch nach 20 Jahren (ich habe nachgeschaut) ist die Berührung dieses Abends gegenwärtig geblieben. Menschen, die sich treffen, um in einem abgedunkelten Raum mucksmäuschenstill gemeinsam in die Filmwelt auf der Leinwand einzutauchen. 1989 könnte es 'The Abyss' von James Cameron gewesen sein.
An diesem Abend ist es Soul Kitchen. Ein Film über einen Lebensabschnitt in Hamburg, zu dem Fatih Akin später sagen wird, dass er auch eine Art Heimatfilm ist. Aber ich will gar nichts weiter zum Inhalt schreiben, außer vielleicht noch dies: Nach den letzten Bildern brandet im großen Kinosaal Applaus auf, der von Herzen kommt. Ein Dankeschön des Publikums an die Akteure und Ihren Regisseur.
So wie Felix mich ganz persönlich aus meinem Alltag die lange Treppe des Cineplex hoch in den Bann dieses Filmes gezogen hat, so reiche ich den Stab jetzt weiter, besonders an Euch, die ihr früher gerne und in diesem Jahr noch gar nicht im Kino ward. Nehmt Euren Liebsten oder Eure Liebste an der Hand und beschenkt Euch mit dem Besuch dieser meisterlichen Komödie auf dem stets schmalen Grat zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Soul Kitchen startet am 1. Weihnachtsfeiertag.
Gerne mache ich mit dieser Geschichte für 2009 das Buch zu, wünsche Euch schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr(zehnt), das alles Mögliche werden wird, nur nicht langweilig. - Arno Tilsner
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So finde ich mich am Donnerstag um fünf vor acht in einem Zweiersitz an der Seite des großen Kinosaals wieder, genau richtig, als hätte jemand meine Vorliebe für einen stillen Beobachterplatz am Rand geahnt. Während Uli für das Popkornritual Schlange steht, schaue ich mir an, wie der Zuschauerraum sich langsam füllt. So ist die Aura eines großen Filmtheaters: schon im Zusammenkommen der Menschen ist sie durch und durch emotional-sozial.

Die Zeit in meinem Kopf läuft rückwärts zur Eröffnung des Kinos Stadt New York. Eine Jahreszahl habe ich zum Ereignis nicht im Sinn aber auch nach 20 Jahren (ich habe nachgeschaut) ist die Berührung dieses Abends gegenwärtig geblieben. Menschen, die sich treffen, um in einem abgedunkelten Raum mucksmäuschenstill gemeinsam in die Filmwelt auf der Leinwand einzutauchen. 1989 könnte es 'The Abyss' von James Cameron gewesen sein.
An diesem Abend ist es Soul Kitchen. Ein Film über einen Lebensabschnitt in Hamburg, zu dem Fatih Akin später sagen wird, dass er auch eine Art Heimatfilm ist. Aber ich will gar nichts weiter zum Inhalt schreiben, außer vielleicht noch dies: Nach den letzten Bildern brandet im großen Kinosaal Applaus auf, der von Herzen kommt. Ein Dankeschön des Publikums an die Akteure und Ihren Regisseur.
So wie Felix mich ganz persönlich aus meinem Alltag die lange Treppe des Cineplex hoch in den Bann dieses Filmes gezogen hat, so reiche ich den Stab jetzt weiter, besonders an Euch, die ihr früher gerne und in diesem Jahr noch gar nicht im Kino ward. Nehmt Euren Liebsten oder Eure Liebste an der Hand und beschenkt Euch mit dem Besuch dieser meisterlichen Komödie auf dem stets schmalen Grat zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Soul Kitchen startet am 1. Weihnachtsfeiertag.
Gerne mache ich mit dieser Geschichte für 2009 das Buch zu, wünsche Euch schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr(zehnt), das alles Mögliche werden wird, nur nicht langweilig. - Arno Tilsner
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