[Aktueller Beitrag der KW 08 vom
24.02.2010]
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+++ ZERO Emission, km 458 +++ Mit feinem Intellekt könnte auch Guido Westerwelle sofort erkennen, dass sich die Kernthese seiner Sozialstaatskritik zu beiden Seiten hin auflösen lässt: "Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet", schreibt er auf guido-westerwelle.de unter Punkt 1 seiner 7 Anliegen für den Umbau des Sozialstaates. Schüttet man einfache Logik über seine These, zeigt sie sogleich ihr doppeltes Gesicht: wahr ist demnach sowohl die Folgerung, wer nicht arbeitet bekommt zu viel als auch die: wer arbeitet bekommt zu wenig. Den Demagogen in Dr. Westerwelle kümmert die Dialektik der eigenen These nicht. Er will nicht aufklären sondern zuspitzen. Deshalb setzt er per Bild am Sonntag nach: "Ich spreche aus, was die schweigende Mehrheit denkt." Statt sich mit der einseitigen Interpretation seiner These zum Lautsprecher einer nebulösen Mehrheit zu erklären, würde der Frontmann der FDP besser für einen Moment den Mund halten und in die Gesellschaft rein hören. Dann wäre ihm die Wortmeldung von Klaus Gehring in der letzten Woche nicht entgangen, der Westerwelles These genau nach der anderen Seite auflöst. In einem Brief an den Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel schreibt er unmissverständlich: "Wir teilen Ihre Auffassung, dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen. ... Damit würde die Möglichkeit und der Missbrauch von Lohndumping, der auch vereinzelt im Handel zu sehen ist, unterbunden." Klaus Gehring ist kein Sozialist. Er kam 1976 von Aldi zu Dieter Schwarz, der einen Geschäftsführer für seine kleine, regionale Lebensmittel Discount Kette in Rheinland Pfalz suchte. 34 Jahre später beschäftigt das Unternehmen unter dem Markennamen Lidl über 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn Klaus Gehring als Leiter der Lidl-Gruppe einen Mindestlohn für seine Branche fordert, dann sollte Guido Westerwelle gut zuhören und sein Mantra überdenken. Denn das ist gewiss: von Wirtschaft versteht der Erz-Kapitalist Gehring bei weitem mehr als jeder Dampfplauderer der FDP. - Arno Tilsner [zurück zum Archiv] |