XIT - CMS and friendship

Zum Seiteninhalt Zur Navigation Zur Breadcrumb


[aus Archiv KW 20 vom 13.05.2009]

In dieser Woche vor 45 Jahren...

...starb der seltsame Professor Hagemann als Asylant in Ostberlin.

Der »Fall Hagemann« löste im Jahr des Berliner Mauerbaus 1961 großen Wirbel aus: Der Professor für Publizistik an der Uni Münster war als Katholik und Pazifist ein aktiver Gegner der Atomrüstung. Als einer von 40 deutschen Prominenten unterzeichnete er schon 1958 einen Protestaufruf gegen Atomwaffen.

Doch seine Kritik an der nuklearen Rüstung der USA wurde immer mehr zu einer einseitigen Begeisterung für die Gegenseite - die UdSSR und DDR. Je aggressiver sein Antiamerikanismus, desto glühender seine Verehrung des kommunistisches Regimes. Als Hagemann seine seltsamen Ansichten - die deutsche Teilung sei ausschließlich das Werk der Westmächte, etc. - persönlich in Ostberlin zum Besten gab, war das Maß für Münsters CDU-Kreisverband voll: Man warf Hagemann aus der Partei.

Als er auch noch öffentlich von DDR-Chef Ulbricht hofiert wurde, schmiss ihn auch Münsters Uni raus, indem man ihm Sexverhältnisse mit Studentinnen andichtete. Kurz bevor deswegen ein Gerichtsverfahren eröffnet wurde, setzte sich Hagemann in die Tschechoslowakei ab und beantragte im Juni 1961 in der DDR politisches Asyl - nur wenige Wochen, bevor sein Fan Ulbricht die deutsch-deutsche Grenze durch den Bau der Berliner Mauer dichtmachte...

Das SED-Regime schlachtete Hagemann PR-mäßig aus und spendierte ihm zum Dank eine Professur für »politische Ökonomie des Kapitalismus« in Ostberlin, wo er ein privilegiertes Leben führen durfte. Allerdings nur drei Jahre, denn 1964 starb Hagemann im »Arbeiter- und Bauernparadies«.


Honecker-Vorgänger Walther »Ziegenbart« Ulbricht war nicht nur ein Fan des Maurerhandwerks, sondern auch von Münsters merkwürdigem Prof.

[zurück zum Archiv]