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[aus Archiv KW 08 vom 18.02.2009]

Ausgabe KW 08 vom 18.02.09

In dieser Woche vor 39 Jahren...

... streikten Münsters Schüler.

Heute Opa, früher Apo: In den 1970er Jahren wurde fast permanent demonstriert.
Übrigens meist gegen, selten für etwas.
In der ersten Märzwoche 1970 machten Münsters Schüler mobil: In einer Urabstimmung an allen Gymnasien entschied die Mehrheit, einen Streiktag einzulegen. Mit viel Kreativität wurden Plakate und Transparente mit Parolen gegen Sparmaßnahmen, Lehrermangel und Reformstau gestaltet. Obwohl die Schulleitungen mit Disziplinarmaßnahmen drohten, beteiligten sich 1.500 Gymnasiasten an dem Protestumzug.
Die »Schülermitverwaltung« (SMV) – auch eine Erfindung der sozialliberalen Siebziger Jahre – hatte sogar einen VW-Bulli mit aufmontiertem Megaphon organisiert.
Nur ein einziges münsteraner Gymnasium beteiligte sich nicht an dem Streik: Die Schülerinnen des bischöflichen Mariengymnasiums an der Hermannstraße (Südviertel) blieben artig im Klassenzimmer.
Das wiederum ermutigte die Jungs, die Mädels abzuholen: Einige Dutzend Schüler marschierten zur Marienschule und drangen durch den Keller ins Erdgeschoss, wo sie in die Klassenzimmer stürmten. Die Polizei räumte das Gebäude ohne Gegenwehr.  
Während Münsters Bürger sich ob des Streiks nur ratlos fragten »Haben die denn heute nichts auf?«, solidarisierte sich der damals 25jährige Nachwuchspolitiker Jürgen Möllemann demonstrativ mit den Schülern.
Deren Forderungen  verlieh das aber nur sehr begrenzten Nachdruck...

Foto oben: Jürgen »18 Prozent« Möllemann träumt schon davon, die harte Schulbank gegen die weiche Regierungsbank zu tauschen...

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