[aus Archiv KW 13 vom 25.03.2009]
Ohrenschmauch
In dieser Woche vor 50 Jahren...
...musste man sich vor Münster plötzlich nicht mehr hüten.Für Studis, die zu Zeiten von Heinz und Ludwig Erhard (also in den 1950ern) nach Münster kamen, war es eine Art Strafversetzung: Spießiger Eliteklüngel, streng geschlossene Kaminrunden der Einheimischen, unerbittliche Vermieter (Damen-, bzw. Herrenbesuch strikt verboten!). Nix los, tote Hose, Sonntagsregen und Glockengeläut.
In der Studizeitschrift Semesterspiegel machte der Jurastudent Wilfried Weustenfeld seinem Münster-Verdruss so richtig Luft: Die Abrechnung trug die Überschrift »Cavete Münster!« (Latein: Hütet Euch vor Münster!) Der Artikel war so böse, dass er einigen Staub aufwirbelte: Die Münsteraner waren schwer empört und beleidigt - die Studis dagegen begeistert!

Doch als einige überregionale Zeitungen den Artikel genüsslich nachdruckten, war der Westfälische Friede akut in Gefahr. Um einem kollossalen Imageschaden auszuweichen, zweigte der Unirektor sogar Sondermittel aus seinem Etat ab, um die »Enklave trister Langweiligkeit« etwas zu pimpen: Die Studis sollten bitte schnell in Eigenregie eine Kneipe für junge Leute eröffnen, damit das gehässige Presseecho über Münster als »Eldorado der Spießbürger« schnell verstummte...
Gesagt – getan: In der Kreuzstraße fand man schnell eine geeignete Immobilie, die mit Flohmarktgerümpel zum Prototyp einer chilligen Studikneipe ausgebaut wurde: März 1959 war Eröffnung. Mit großem Erfolg: Münster mauserte sich langsam zur Szenestadt. Karin Weldert, Witwe des ersten Wirtes, führte die Cavete bis 2000. Der Name bleibt auch weiterhin eine Mahnung gegen Langeweile...
»Eine Enklave trister Langweiligkeit, eingelullt in ewiges Glockengeläut...«, disste der Semsterspiegel Münster damals und warnte: Cavete!
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