[aus Archiv KW 15 vom 08.04.2009]
In dieser Woche vor 78 Jahren...
... kam Hitler in die Halle MünsterlandIm Jahr 1931 waren die Nazis noch ein gutes Stück von der Macht entfernt. Manche Zeitungen hatten die NSDAP als politische Gefahr schon wieder abgeschrieben. Darum musste sich Hitler auf einer beispiellosen Wahlkampftour heiser brüllen. Auf seinem Reiseplan stand auch Münster.
Hitler hasste Münster: Erstens, weil es die Heimatstadt von Reichskanzler Brüning war. Zweitens, weil in Münster der Westfälische Friede geschlossen wurde, den er am liebsten rückgängig machen wollte, weil Deutschland nach seiner Ansicht dabei betrogen worden war. Und drittens, weil die Westfalen lieber an ihren lieben Gott, als an nationalen Sozialismus glauben wollten.
Trotzdem zog Hitler in der ausverkauften Halle Münsterland seine bewährte Show ab. Nachdem seine Vorredner das Publikum durchgeknetet hatten, schimpfte Hitler über die »Illusionspolitiker« und das damalige Rundfunkverbot für Nazi-Wahlwerbung.
Die Reaktionen blieben typisch westfälisch: eher reserviert. Vielleicht lag die geringe Wirkung auch daran, dass der Auftritt schon der dritte an einem Tag war, nach Düsseldorf und Essen. Nur Münsters »Gauleiter« Dr. rer. pol. Afred Meyer war rundum happy, auch wenn die Lokalpresse anderntags Hitlers Argumenten die Gewalt seiner Straßenkämpfer entgegenhielt.

Nach der Show gab es keine Backstageparty: Hitler und Gefolge blieben nicht im Hotel, sondern reisten gleich weiter. Noch Jahre später lästerte Hitler bei seinen nächtlichen Teestunden über seinen Tourneestop in Westfalen:»Aus-gerechnet Münster! Diese Pfaffenstadt! Da hat mir einer fast die Wagentür ins Kreuz geschlagen...«. Leider nicht vor den Kopp...
Der Reporter des »Völkischen Beobachter« war wesentlich begeisterter, als die Münsteraner. Auch Hitler wurde mit der »Pfaffenstadt« nicht warm.
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