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[aus Archiv KW 16 vom 15.04.2009]

In dieser Woche vor 51 Jahren...

...wurde Maria Rohrbach verurteilt.

Maria Rohrbach von der Kerßenbrockstraße im Kreuzviertel wurde verdächtigt, ihrem Mann den Kopf abgesägt und verbrannt zu haben.
Hermann Rohrbach war zuvor zunächst spurlos verschwunden und dann päckchenweise wieder aufgetaucht - in blutigen Einzelteilen am Aasee. Nur sein Kopf blieb vorerst unauffindbar...

Obwohl Maria Rohrbach beteuerte, damit nichts zu tun zu haben, waren Polizei, Presse und Justiz vom Gegenteil überzeugt. In einem Indizienprozess wiesen Gutachter und Experten der 27jährigen nach, den Kopf im Küchenofen ihrer Wohnung verbrannt zu haben. Die Journalisten beschrieben die Angeklagte als primitiv, eiskalt und brutal. Das Urteil: Lebenslänglich!

Vier Jahre später wurde der angeblich verbrannte Schädel überraschend gefunden:
in einem Gebüsch an der Pleistermühle. Der Prozess musste wiederaufgenommen werden. Ein Promi-Anwalt zerpflückte spielend die Indizienkette und entlarvte das »Expertengutachten« als Mischung aus Schlamperei, Schwindel und Vorurteilen, die an den Haaren herbeigezogen waren.

Der Fall erregte in ganz Deutschland großes Aufsehen und wurde zum ersten Justizskandal der jungen Bundesrepublik. Maria Rohrbach wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen - ein Freispruch 2. Klasse.

Der wahre Täter wurde in prominenten Schwulenkreisen der Ruhrindustrie ver-
mutet, aber die Ermittlungen blieben auffällig unmotiviert und verliefen schnell im Sand...

Noch Jahrzehnte später sagten launige Busfahrer die Haltestelle Kerßenbrockstraße mit »Sägewerk Rohrbach« an...

Unromantisches Schäferstündchen: Ein Pärchen suchte an der Pleistermühle im Gebüsch ein ruhiges Plätzchen - und fand Rohrbachs Schädel.

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