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[aus Archiv KW 18 vom 29.04.2009]

In dieser Woche vor 37 Jahren...

...fand in Münster die erste Schwulendemo Deutschlands statt

Anfang des 20. Jahrhunderts spielte sich die Schwulenbewegung Europas überwiegend im deutschen Kaiserreich ab, vor allem wegen des Wirkens des Arztes Magnus Hirschfeld, der schon um 1900 die erste Petition gegen den § 175 einbrachte, welcher seit 1872 »unzüchtige Handlungen unter Männern und mit Tieren« unter Strafe stellte.
Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in Europa und den USA jeweils wieder zu einer Verschärfung der Restriktionen. Doch im Fahrwasser der so genannten Neuen Linken entstanden auch neue Homo-Initiativen wie die »Internationale homophile Weltorganisation«, die davon träumte, die »Arbeiterklasse« nicht nur zum Marxismus, sondern auch gleich zum Schwulsein bekehren zu können...  
In Münster gründete sich die »Deutsche Aktionsgemeinschaft Homosexualität« (DAH). Ermutigt durch öffentliche Auftritte einiger Schwuler in Paris, wagten sich die DAH-Aktivisten 1972 aus der Deckung und planten Deutschlands erste Schwulendemo - ausgerechnet im damals erzkatholischen Münster! Der CSU-Politiker Franz Josef Strauß hatte damals die Parole ausgegeben: »Lieber ein kalter Krieger, als ein warmer Bruder!« und die meisten Münsteraner sahen das ähnlich...
Punkt 12 Uhr marschierte der Demozug vom Prinzipalmarkt über die Salzstraße in Richtung Uni. Die Münsteraner blieben angesichts der »warmen Brüder« jedoch ziemlich cool (Die Fußball-EM ‘72 war wohl wichtiger...). Die Schwuleninitiative zersplitterte später im Fraktionsstreit. Der Paragraph 175 wurde im Jahr 1994 ersatzlos abgeschafft.


Vom Christopher-Street-Day-Karneval war die erste Schwulendemo noch weit entfernt. Vielen Münsteranern reichte es allerdings schon...

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