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[aus Archiv KW 19 vom 06.05.2009]

In dieser Woche vor 17 Jahren...

...staunte Münster über eine gefälschte WN.

Anfang der 1990er Jahre hieß der Bundeswirtschaftsminister noch Jürgen W. Möllemann. Weil dieser den anderen Wirtschaftsministern der Industrienationen mal zeigen wollte, wie schön es in seiner Heimat Münster ist, lud er sie zum G7-Treffen hierher ein. Ritualisierte Randale war damals noch kaum zu befürchten, so fand der internationale Gipfel 1992 tatsächlich an der Aa statt.
Doch der Widerstand gegen die Wirtschaftspolitik der Industrieländer schlief nicht. Aber statt Autos ohne Prämie abzuwracken, ließen sich die Protestler etwas Originelles einfallen:
Die Münsteraner trauten ihren Augen kaum, als sie in einer stadtweit verteilten Sonderausgabe der Westfälischen Nachrichten (die damals noch ein klar konservatives Profil hatte), sensationelle Meldungen lasen.
In dem Blatt stand, dass die Politiker beschlossen hätten, allen Dritte-Welt-Staaten auf einen Schlag alle Schulden zu erlassen! Außerdem habe sich die Ministerrunde darauf geeinigt, die Bruttosozialprodukte nicht mehr in Rüstungsgüter zu investieren. Die Aufmachung war so täuschend echt, dass die Nachrichten für einigen Wirbel sorgten. Vor allem im WN-Verlag selbst: Tobend suchte man nach den Urhebern der gelungen Fälschung - ohne Erfolg.
Besonders freuten sich die Leser über einen Coupon für ein kostenloses Menu im Ratskeller, dass Möllemann angeblich allen Münsteranern »aus Dank« spendieren würde. Etliche stürmten mit den Gutscheinen zu Tisch. Die verblüfften Kellner nahmen die Coupons hilflos an. Die Rechnung zahlte notgedrungen das Wirtschaftsministerium.


Ein Gutschein für ein kostenloses Essen,
spendiert von Minister Möllemann persönlich, zerstreute die Zweifel an der Echtheit der Nachrichten.


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