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[aus Archiv KW 22 vom 27.05.2009]

In dieser Woche vor 40 Jahren...

...verbarrikadierten die Studis das Schloss.

Im Jahr 1968 reagierten US-amerikanischer Lebensstil und marxistische Ideologie miteinander in einem gesellschaftspolitischen Ausbruch. Das Beben brachte auch neue Protestkultur, in der sich vor allem Studenten übten. 1969 war das noch keine Routine, sodass beide Seiten den richtigen Umgang mit dem demokratischen Instrument erst lernen mussten...

Eine Gelegenheit bot den münsterschen Studenten das umstrittene neue Hochschulgesetz. Unirektor Rollhäuser hatte vorsorglich ein Flugblatt verteilen lassen, in dem er sich Proteste ernergisch verbat. Als am 20. Mai seine Wiederwahl anstand, wollten 300 Studis die Konventssitzung sprengen. Doch die Studis scheiterten an sich selbst: Sie kamen zu spät. Die Sitzung hatte pünktlich angefangen und die Türen des Schlosses waren abgeschlossen.

Wenn wir nicht reinkommen, sollen die anderen nicht rauskommen, dachten sich die Studis und verbarrikadierten die Tür. Als die Profs nach Hause wollten, mussten sie feststellen, dass die Pforte von außen verrammelt war. 70 Studis waren inzwischen zum Domplatz gezogen und hatten das Germanistische Seminar besetzt. Das wurde aber auf Dauer sehr langweilig und sie ließen sich morgens ohne Widerstand von der Polizei abführen.

Die Uni reagierte auf die Besetzung des Seminars mit einer dreitägigen Schließung. Dann fuhr alles in die Pfingstferien und damit war die Auseinandersetzung bis auf weiteres beendet.
Bei einer Manöverkritik des AStA kritisierte ein Beteiligter vor allem die gescheiterte Invasion des Schlosses: »Wenn schon protestieren, dann wenigstens pünktlich!« ...


Die Konventssitzung begann um 20.30 Uhr - und zwar »sine tempore«, also pünktlich. Das brachte den studentischen Protestplan durcheinander.


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