[aus Archiv KW 24 vom 10.06.2009]
In dieser Woche vor 108 Jahren...
...wurde der Wochenmarkt auf den Domplatz verlegt.Der Straßenname Prinzipalmarkt bedeutet »Hauptmarkt«, und macht die Adresse prominenter als den Roggen- oder Fischmarkt. Hunderte von Jahren wurde hier mit Tieren, Lebensmitteln, Hausrat und sonstigen Sortimenten gehandelt. Aber vor allem – flaniert. So wie im Gedicht der münsterschen Journalistin Marie Findeklee (gest. 1925): »Auf dem Forum principale (Wenn‘s nicht eben gar zu naß), hin und her unzähl‘ge Male bummeln ohne Unterlaß, ist der Münst‘rer Jugend heute, schönste Sonntagmittagsfreude.«
Doch dann stand der Wochenmarkt plötzlich einem Verkehrsprojekt im Weg. Denn 1900 machte Münsters Pferde-Omnibuslinie pleite. Dabei hatte das Verkehrsmittel seine Vorzüge: Weil die Wagen der drei Linien so langsam fuhren, konnte man überall ein- und aussteigen, ohne an festen Haltestellen zu warten. Leider kamen die Kutscher aber bald in den Ruf extremer Unzuverlässigkeit; wer es eilig hatte, ließ den Pferdebus stehen und ging zu Fuß. Zudem machten die vielen Schwarzfahrer, die statt Münzen Hosenknöpfe in den Zahlkasten warfen, das Unternehmen unrentabel.

Verständlich, dass der Ruf nach einer »richtigen« Straßenbahn laut wurde, zumal Münster von allen deutschen Städten gleicher Größe die letzte war, die noch keine hatte. Darum wich der Marktbetrieb den Schienen. Nur wenige Händler behielten das Sonderrecht, weiter auf dem Prinzipalmarkt zu verkaufen. Die letzte Marktfrau, Dine Ostholt, pries ihre »Äppel« bis weit in die Nachkriegszeit auf plattdeutsch an. Bis heute dürfen auf dem Prinzipalmarkt nur Obst und Blumen verkauft werden.
Von der bunten Markttradition auf dem Prinzipalmarkt hat sich nur die Sonderlizenz zum Verkauf von Äppeln und Blumen bis heute gehalten.
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