XIT - CMS and friendship

Zum Seiteninhalt Zur Navigation Zur Breadcrumb


[aus Archiv KW 28 vom 08.07.2009]

In dieser Woche vor 42 Jahren...

... wurden die Aaseekugeln Ziel eines Anschlags

Die erste internationale Skulpturenausstellung (Skulptur.Projekte) 1977war als Nachhilfestunde initiiert worden, die Münsters Bürger endlich von ihrer Ablehnung moderner Kunst »heilen« sollte. Die Invasion futuristischer Objekte in die traute Welt aus Marienfiguren und Kriegerdenkmälern empfanden viele Leserschreiber als »Diktatur« und fühlten sich von der abstrakten Kunst »terrorisiert«.
Als Joseph Beuys ankündigte, den Fußgängertunnel unterm Hindenburgplatz komplett mit Tierfett auszugießen, drehten die Kunstgepeinigten durch. Anfang Juli versammelten sich fast 200 überwiegend junge Münsteraner unter Führung eines Physikstudenten nachts am Aaseeufer. Mit langen Planken (der Phsyikstudi hatte den richtigen Hebel berechnet) wuchteten sie eine der großen Billardkugeln des Künstlers Claes Oldenburg aus ihrer Verankerung und rollten sie auf die Freitreppe zu, in der Absicht, den Koloss im Aasee zu versenken. Zum Schutz der Plastik rückte die Polizei an, die mit Bierflaschen und Fäusten empfangen wurde. Zwei Beamte wurden verletzt.
Auch andere Objekte kriegten was ab: Eine Plastik aus Stahlwänden vorm Schloss wurden mittels Aufschrift »Damen« und »Herren« zum öffentlichen Pissoir umfunktioniert.
Aber der Protest war nicht nur destruktiv: Hinterm Schloss präsentierte eine alternative Werkschau »wahrer« Künstler westfälisches Kunsthandwerk als »Gegenausstellung«.
Erst als internationale Zeitungen (z.B. New York Times) Münster lobend als Kulturstadt hervorhoben, wurden die Münsteraner mit der modernen Kunst versöhnt - aus purer Eitelkeit.


Billardkugeln müssen rollen... Fast wären die kollossalen Kunstkörper im Aasee versunken. Eine Abwehrreaktion aufgrund des Kulturschocks.

[zurück zum Archiv]