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[aus Archiv KW 30 vom 22.07.2009]

In dieser Woche vor 475 Jahren...

...kam es im »neuen Zion« zum Aufstand.

Die Wiedertäufer glaubten, die Münsteraner seien das auserwählte Volk Gottes, das ausziehen und die Welt befreien sollte. Es gab nur ein Problem – den demographischen Faktor dieses Volkes: Durch die aufgelösten Nonnenklöster, die alleinstehenden Frauen der vor den Wiedertäufern geflohenen Männer und Scharen zugereister Groupies des Täuferkönigs Jan van Leyden, herrschte erheblicher Frauenüberschuss; Verhältnis 3:1. Das machte den Wiedertäufern doppeltes Kopfzerbrechen: Einerseits ging es zwischengeschlechtlich hoch her; andererseits blieben viele Frauen unversorgt. Der einfallsreiche van Leyden verkündete seinen perplexen Anhängern Anfang Juli seine Lösung: Die Einführung der Vielweiberei nach biblischem Vorbild Abrahams. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran und heiratete gleich 16 Frauen.

Doch in der Praxis lief das System nicht störungsfrei: Die Frauen stritten untereinander um ihre »Rangfolge« in der Vielehe; manche wurden gegen ihren Willen verheiratet. Entnervt von Klagen führten die Wiedertäufer bald ein Scheidungsrecht für Zwangsverheiratete ein.
Ende Juli kam es trotzdem zum offenen Aufstand: Hinrich Mollenhecke besetzte mit 200 Regimegegnern das Rathaus. Der Wiedertäuferfunktionär Schlachtschapp wurde
an den Pranger gekettet und von wütenden Frauen mit Dreck beworfen.

Doch den Wiedertäufern gelang es nach 24 Stunden, das Rathaus mit massivem Einsatz zurückzuerobern. Von den 120 überlebenden Aufständischen wurden 50 sofort hingerichtet.
Die Vielehe endete mit der Einnahme Münsters durch den Bischof.


Die Vielweiberei brachte Elisabeth Wandscherer kein Eheglück:
Jan van Leyden enthauptete seine 10. Frau. Die übrigen tanzten drumherum...


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