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[aus Archiv KW 31 vom 29.07.2009]

In dieser Woche vor 68 Jahren...

... forderte Clemens von Galen von der Kanzel die Nazis heraus.

Galen kam aus dem Oldenburgischen, wurde in Münster Priester und übernahm dann in Berlin eine Gemeinde. Dort freundete er sich mit dem Nuntius Eugenius Pacelli an, dem späteren Papst Pius XII. Als Berlin nach der roten Revolution für Katholiken ein heißes Pflaster wurde, kam er zurück und übernahm die Pfarre St. Lamberti. 1933 wurde Galen trotz schlechter Beurteilungen (»arrogant, stur«) Bischof - der erste, der nach dem neuen »Reichskonkordat« gewählt wurde, ein Vertrag zwischen NS-Staat und Kirche über Kompetenzabgrenzung. Das Konkordat sollte eigentlich Ruhe zwischen Staat und Kirche bringen, doch schon in seinem ersten Hirtenbrief disste Galen den nationalen Sozialismus als »Neuheidentum« und »Abgötterei«. So ging es weiter und Galen den Nazis langsam auf die Nerven. Retourkutschen wie die Schließung der Kirchendruckerei ließen nicht auf sich warten. Obwohl er den Krieg gegen die Sowjetunion als »Kampf gegen den Bolschewismus« begrüßte, rempelte er die Nazis weiter an. 1941 hielt er drei Predigten in der Lamberti- und Überwasserkirche, u.a. gegen die Gestapo, das Führerprinzip und die Tötung Versehrter und Behinderter als »lebensunwertes Leben«. Die Predigten wurden in ganz Deutschland unter der Hand verbreitet. Die Nazis tobten!
Während Reichsleiter Bormann Galen sofort aufhängen lassen wollte, sagte Hitler: »Wenn ich Reden von einem Typen wie Galen lese, weiß ich, Nadelstiche sind da zwecklos. Aber das kommt alles in mein Notizbuch! Wenn es ihm nicht gelingt, in den Vatikan zu fliehen, wird bis aufs i-Tüpfelchen abgerechnet!« Galen gelang es – Hitler nicht.


Goebbels empfahl, Galens Hinrichtung auf »nach dem Endsieg« zu verschieben,
weil man »Westfalen sonst für den Krieg abschreiben« könne.


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