XIT - CMS and friendship

Zum Seiteninhalt Zur Navigation Zur Breadcrumb


[aus Archiv KW 32 vom 05.08.2009]

In dieser Woche vor 95 Jahren...

...eskalierte in Münster die »Spionitis«.

Der Ausbruch des I. Weltkrieges wurde von allen teilnehmenden Nationen freudig begrüßt. Eine weitere Kriegspsychose war die allgemeine Panik vor feindlichen Agenten. Diese Paranoia griff Anfang August auch auf Münster über und führte zu einer bizarren Jagd auf ein Phantom:
Nachdem bereits eine Nonne (!) am Bahnhof für eine vermeintliche Spionin gehalten und prompt verhaftet worden war, berichteten Gerüchte plötzlich von einem russischen Saboteur im Überwasserviertel. Niemand hatte ihn wirklich gesehen, aber die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Eine riesige Menschenmenge strömte zusammen und suchte die Straßen nach dem mutmaßlichen Agenten ab. Mit einmal hieß es, der Flüchtige sei in der Neubrückenstraße in die Kanalisation gestiegen. Alles trabte in heller Aufregung los. Kurz darauf wollte einer gesehen haben, wie der Mann aus einem Kanaldeckel am Rosenplatz lugte. Die Menge hin. 
Ganz Schlaue wussten plötzlich, der Spion wolle die Aegidiikaserne (heute Aegidiimarkt) von unten in die Luft sprengen. Nun wurde der Bombenleger unter einem Kanaldeckel am Spiekerhof vermutet. Mit Steinen bewaffnet bewachte der Auflauf den Gully.
Doch der imaginäre Russe tauchte nicht auf. Ein neues Gerücht meldete das Phantom nun am Krummen Timpen. Jetzt holte die Menge die Feuerwehr. Laternen wurden ausgegeben und die Feuerwehrmänner stiegen in den Schacht, um Münsters Kanali-sation zu durchsuchen. Stundenlang. Ohne Erfolg.
Langsam ebbte die »Spionitis« ab, doch von der Front und der Versorgungslage der Bevölkerung kamen bald Nachrichten, die keine Gerüchte waren...


Krieg gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern lässt manche Menschen auch überall feindliche Spione und Bombenleger sehen...

[zurück zum Archiv]