[aus Archiv KW 33 vom 12.08.2009]
In dieser Woche vor 25 Jahren...
...entstand (fast) ein Naherholungsgebiet in der Innenstadt.Die Altenwohnanlage Tibusstift erfreut sich bei seinen Bewohnern einiger Beliebtheit. Doch bis dahin war es ein steiniger Weg - oder besser: ein wässriger.
Es begann mit einem Gutachten des »Sachverständigen« Dr. Krause. Der hatte schon beim Bau des Aegidiimarktes Murks gebaut: Entgegen seinen Vorhersagen ließ die Baugrube Risse am Dom entstehen. Auch beim Tibus-Projekt spielte das Grundwasser nicht mit: Anfang August ließ die unterirdisch verlaufende Aa die Baukuhle absaufen. Es entstand ein stattlicher See in Münsters Innenstadt.
Für die Lokalpolitiker ein gefundener Zankapfel. Die SPD versprach im Falle eines Wahlsieges, die Grube wieder zuzuschütten (Die Sozis waren so weit entfernt von der Mehrheit, dass sie sich so ein unrealistisches Versprechen leicht leisten konnten). Die Grünen punkteten mit einem polemischen Plakat, auf dem ein Surfer (Motiv einer Werbekampagne für Münster) in das Schlammloch montiert wurde und erfanden damit den »Tibus-See«. Die CDU, die das kontroverse Bauvorhaben angeschoben hatte, zeigte auch Humor und ließ verlauten: »Wir warten einfach bis seltene Vögel kommen, lassen das Ganze dann als Ökogebiet schützen und tauschen es gegen die Rieselfelder« (um dort doch noch ein Industrierevier bauen zu können).

Nach einigen Wochen Ratlosigkeit wurde Anfang September damit begonnen, eine meterdicke Zementwanne zu kontruieren, die das Grundwasser zurückhielt. Die Mehrkosten beliefen sich auf etwa fünf Mio. DM. Auf einem Teil davon blieben Münsters Steuerzahler sitzen. Die Kommunalwahl gewann trotzdem die CDU.
Das Sommerlochthema 1984: Der Tibus-See brachte keine Abkühlung,
sondern ließ die Wahlkampfkessel im Rathaus so richtig kochen.
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