[aus Archiv KW 34 vom 19.08.2009]
In dieser Woche vor 54 Jahren...
..wurde der »Ziegenbaron« 100 Jahre.Alfred von Renesse wurde 1855 in Amelsbüren geboren. Trotz seines Adelsstandes lebte er später völlig verarmt in Münsters Erphoviertel und sein Vermieter erließ ihm oft die Miete, weil der Baron keinen Pfennig hatte, aber ein sympathischer Kerl war. Besonders die Kinder des Viertels liefen fasziniert hinter dem knorrigen Kauz her.
Dabei hatte sich Renesse sehr um Münster verdient gemacht - durch einen besonderen Tick: 1900 gründete er einen Ziegenzuchtverein und propagierte mit unermüdlichem Elan die private Ziegenhaltung im heimischen Garten. Mit Erfolg: Viele Familien ließen nun Ziegen hinterm Haus grasen. 1905 stiftete der seltsame Baron sogar ein feierlich enthülltes Denkmal für »die Kuh des kleinen Mannes« (Renesse).
Kein Wunder, dass sich viele über den Ziegenspleen des Alten lustig machten... Doch als der Erste Weltkrieg ernste Versorgungsprobleme mit Lebensmitteln brachte, lachte niemand mehr über die private Ziegenhaltung. Selbst die Behörden mussten anerkennen, dass Renesses erfolgreicher Kampagne eine große Entlastung der Ernährungsfrage im Münsterland zu verdanken war. Seitdem war in Münsters Vorgärten und Hinterhöfen Ziegengemecker obligatorisch.

Im Zweiten Weltkrieg schlief die Ziegenhaltung allerdings ein. Ab da war Renesse zwar ein lebendes Original, aber seine Idee ohne aktuelle Bedeutung. Der Baron wurde zur Karikatur. Wenn er seine Stammkneipe Pinkus Müller besuchte, hakte ihn ein Polizist unter, damit er nicht fiel. Seinen 100. Geburtstag feierte er natürlich ebendort. Bald darauf verstarb er.
Ziegen erlebten Dank Baron Renesse in Münster einen rasanten Boom –
nicht nur als Kuh, sondern auch als Kutschpferd der kleinen Leute.
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