XIT - CMS and friendship

Zum Seiteninhalt Zur Navigation Zur Breadcrumb


[aus Archiv KW 38 vom 16.09.2009]

In dieser Woche vor 156 Jahren...

...kam »Herr Alexander« nach Münster zurück.

Friedrich Alexander Heimbürger sollte eigentlich eine Bürokarriere machen, als er sich bei einer Sendbude als »Junger Mann zum Mitreisen« meldete und durch halb Europa tingelte, um Zauberer zu werden.

Unter seinem Künstlernamen »Herr Alexander hatte er Riesenerfolg: Er ist der Erfinder von Zaubertrick-Standards wie »Das in der Luft schwebende Kind« und benutzte als erster Magier Elektromagneten, um Gegenstände abwechselnd schwer und leicht erscheinen zu lassen. Einen Friseur schockierte er, indem er plötzlich ohne Kopf auf dem Frisierstuhl saß...
Mit diesen Nummern im Gepäck ging er nach Amerika und wurde zum Superstar. Sogar Goldmünzen mit seinem Kopf ließ man in den USA prägen. Die Diktatoren Südamerikas standen Schlange für einen Privatauftritt Alexanders. Höhepunkt des Ruhms ist eine Erwähnung in dem Literaturklassiker »Moby Dick« (Kapitel Sechs).

Mit 35 Jahren hatte er genügend Kohle verdient, um sich zur Ruhe zu setzen. Außerdem hatte er mehrere exotische Tropenkrankheiten als Souvenir aus den Anden mitgebracht, die er leider nicht wegzaubern konnte. Darum kehrte er zurück in seine Heimatstadt Münster. Seine Rückkehr wurde zum Triumphzug. Dann wurde es still, denn Herr Alexander stellte den Zauberstab tatsächlich in die Ecke.
Stattdessen heiratete er und widmete sich fortan der Erziehung seiner sechs Kinder. Als er 1909 mit 90 Jahren starb, dachten etliche Münsteraner, er wäre längst tot, weil er so gut wie nie aus dem Haus ging. Schon wenige Jahre später war Herr Alexander völlig vergessen. Erst 50 Jahre später widmete ihm die WN eine Erinnerungsstory.


Herr Alexander aus Münster wurde mit Zaubertricks zu einer Art Michael Jackson des Biedermeier, bis er völlig in Vergessenheit geriet.


[zurück zum Archiv]