[aus Archiv KW 39 vom 22.09.2009]
In dieser Woche vor 29 Jahren...
...begann der Bau der Mülldeponie Coerde.Bis in die 1970er Jahre wurden Münsters Abwässer durch Verrieselung in den Sandboden zwischen Coerde und Gelmer gereingt. Weil das System aus der Kaiserzeit nach dem Wirtschaftswunder endgültig überfordert war, floss die Kacke zeitweilig ungeklärt in die Ems. Erst 1975 wurde die Kläranlage fertig.

Ein Jahr später entschied die Stadt mit einer hauchdünnen Mehrheit, die stillgelegten Flächen für 20 Jahre als Wasservogelreservat an das Land NRW zu verpachten, obwohl man dort lieber ein Gewerbegebiet gebaut hätte, was bei den Münsteranern aber unpopulär war.
1980 platzte auch der Müllberg aus allen Nähten: Der »Monte Scherbelino«, wie sich der Berg in Münster eingebürgert hatte, war auf eine Höhe von 40 Metern und 1,2 Mio. Kubikmeter angewachsen. Mitte September begann man mit der Errichtung einer neuen Zentraldeponie, auf der Münsters Müll nun auch sortiert, statt ungetrennt beerdigt wurde.
Währenddessen tobte ein Streit um den Bau des Gewerbe- und Industrieparks, der zu beiden Seiten des Kanals im Norden bis zum KÜ gehen sollte. Da sich inzwischen tatsächlich seltene Vögel angesiedelt hatten, schlugen sich die Verwaltungsrichter auf die Seite der Ornithologen und verweigerten die Genehmigung der Planausführung.
1984 kam es schließlich zu einem Kompromiss: Die Stadt verzichtete zähneknirschend auf die Gewerbeflächen westlich des Kanals. Übrig blieben nur das Mini-Industriequartier Hessenweg und die Deponie, die nun u.a. Strom aus Müll erzeugt.
Heute sind natürlich alle Ratsparteien mächtig stolz auf das Biotop und preisen den Marketingwert des Naturparadieses.
Mit 40 Metern Höhe schon eine seltene Erhebung im sonst flachen Münsterland:
Der »Monte Scherbelino« in den Rieselfeldern.
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