[aus Archiv KW 40 vom 30.09.2009]
In dieser Woche vor 124 Jahren...
... brach in Münster der Bierkrieg aus.Derzeit wird in Münster über ein Alkoholverbot an manchen Plätzen der Innenstadt debattiert. Da war man 1885 in Münster schon weiter:
Um den Bürgern »das Saufen abzulernen«, wurde eine Kneipensperrstunde ab 23 Uhr verfügt. Hintergrund: In einem Städte-Ranking des Alkoholkonsums hatte Münster den dritten Platz belegt. Für die Bischofsstadt ein kollossaler Imageschaden. Ab sofort sollten die Altbierfreunde mit polizeilichen Verweisen »unter Saufkontrolle gestellt« werden, wie die Zeitungen ankündigten.
Die Umsetzung war allerdings problematischer als gedacht. Auch wenn der Westfale von Natur aus kein Revoluzzer ist - wenn‘s an die existenziellen Freiheiten geht, wird er rustikal! Als die Polizei die Sperrstunde in »Appels Altbierküche« an der Neubrückenstraße durchsetzen wollte, zogen die Gäste vors Rathaus und randalierten. Die Polizei war chancenlos, weil das Gefängnis für die Menge der Suff-Demonstranten zu klein war. Nun gab‘s kein Halten mehr: Die Menge ließ sich kollektiv vollaufen. Ein Braumeister sorgte um 2 Uhr morgens für kostenlosen Nachschub. Am Abend darauf dasselbe Bild. Und ebenfalls am folgenden Abend...

Eine ganze Woche hielten die Münsteraner den Bier-Protest aufrecht. Schließlich blieb dem Bürgermeister nichts anderes übrig, als die Verordnung zurückzunehmen. In den Kneipen und Altbierküchen triumphierten die Nachtschwärmer. Der kauzige »Profässer« Landois notierte zufrieden in sein Tagebuch »In Münster wird wieder durchgesoffen ... denn Münster ist ein Bummelnest, wie man seit Jan van Leyden weiß!«
Die Münsteraner als wandelnde Bierkrüge auf Beinen - Öl auf Leinwand, spätes 19. Jahrhundert;
sehr realistische Darstellung...
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