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[aus Archiv KW 41 vom 07.10.2009]

In dieser Woche vor 128 Jahren...

...waren die Tage des Lambertiturms gezählt.

Ursprünglich hatte die Lambertikirche keinen Spitzturm, sondern einen mit Kuppel. Der Kirchenvorstand wollte den Abbruch des alten Turms. Eine große Schar von Fans mittelalterlicher Architektur protestierte dagegen. Eine Ablotung ergab nur einen Schiefstand von wenigen Millimetern und die Abrissgegner legten Beschwerde in Berlin ein. Doch ein schwerer Sturm machte ihre Hoffnung zunichte: Der wackelige Turm drohte einzustürzen.

Der Rat beauftragte zwei Handwerker, sofort den Turmhahn herunterzuholen. Zum Entsetzen der frommen Bürger hießen diese beiden ausgerechnet Rothmann und Krechting - genau wie zwei der Wiedertäufer-Anführer! Für die Münsteraner ein eviles Omen! Dank einer Lotterie und vieler Klingelbeutel konnte der neue Turm in 17 Jahren vollendet werden. Aus dem Mittelständer der alten Turmhaube wurde ein Wegkreuz geschnitzt, das in der Nähe von Laer steht.

Der Turm-Neubau erhielt ein Westportal zum Prinzipalmarkt. Das alte Hauptportal riss sich Jahrzehnte später Hermann Göring unter den Nagel, der es in seinen Phantasiepalast »Carinhall« einbauen ließ. Als Göring seinen Sitz 1945 selbst in die Luft sprengte, blieb das Portal unversehrt und wanderte auf die Berliner Museumsinsel. Dort ließ es das SED-Regime verwittern. Heute ist es nicht mehr auffindbar.

Mit dem neuen Turm bekam der Türmer auch sein Messinghorn, in das der amtierende Wachhabende heute noch tutet. Die außerordentlich vielen Strafvermerke in den Stadtakten zeigen, dass die Türmer oft ziemlich  undisziplinierte Säcke waren, die sich dort oben besoffen statt aufzupassen und regelmäßig ihre Pinkeleimer vom Turm herab ausleerten.


Das Wichtigste am Lambertiturm sind natürlich die drei Wiedertäuferkäfige,
die auch am Neubau wieder einen dekorativen Platz fanden.


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