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[aus Archiv KW 42 vom 14.10.2009]

In dieser Woche vor 15 Jahren...

... hatte Münsters CDU einen Aussetzer.

Die Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen hatte in Westfalen ein unkaputtbares Glaubensfundament hinterlassen. Weder Napoleon, noch Bismarck, noch Hitler konnten den katholischen Konservativismus knacken.

Mit diesem Bewusstsein regierte die CDU seit der Nachkriegszeit in Münster. Ihre Mehrheit schien ein unverrückbares Naturgesetz zu sein. Daraus folgte ein Gutsherrenstil in der Lokalpolitik. Beschlüsse wurden nicht im Rat, sondern z.B. im Zwei-Löwen-Club oder Paohlbürger-Karnevalsverein beschlossen, zu denen Sozis keinen Zutritt hatten.

In den 1980er Jahren erodierte die CDU-Hoheit langsam durch den Liberalismus der Nach-68er. Doch die Christdemokraten nahmen die Entwicklung nicht zur Kenntnis. Darum tat sich unter den schockierten CDU-Anhängern der Boden auf, als am Wahlabend 1994 die Monitore im Rathaus eine Mehrheit für Rot-Grün zeigten. Eine ältere Dame brach vor den Kameras des WDR-Landestudios mit dem Stoßseufzer »Unser schönes Münster!!« zusammen! In ihrer Panik fürchteten die CDU-Wähler nun mindestens die Rückkehr des Wiedertäuferregimes.

Die Befürchtungen bewahrheiteten sich jedoch nicht. Stattdessen bekam Münster eine rote Oberbürgermeisterin, die vor allem durch extravagante Hutmode in Erinnerung blieb. Die CDU fasste sich schnell, opferte dem Zeitgeist ein paar Prinzipien und gewann die Macht bei der nächsten Wahl mit einer bis dahin beispiellosen Werbekampagne  zurück. Der SPD war ihre ungewohnte Rolle wohl selbst unheimlich: Sie bildete ihre Frontfrau auf den Wahlplakaten schon in Abgangspose von hinten ab...


Münsters rote Oberbürgermeisterin Marion Tüns mit dem berühmten Sherwood-Forest-Hut.
Hinter ihr kommt schon ein Wiedertäufer zurück...