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[aus Archiv KW 47 vom 16.11.2009]

In dieser Woche vor 37 Jahren...

... wurde die Grevener Straße besetzt.

Das Haus Grevener Straße 31 wurde um 1920 gebaut. Es hat ein offenes Holztreppenhaus und vier Etagen. Früher war darin das Kreiswehrersatzamt. Seit Anfang der 1970er stand es leer und sollte abgerissen werden, weil es einem Bebauungs- und Verkehrsplan im Weg war.

Auch über 30 weitere Häuser standen leer, obwohl sie noch bewohnbar waren. Dabei hatte Münster damals 35.000 Studis, aber nur 1.000 fertige Wohnheimplätze. Trotz Aufruf der Stadt an alle Bürger, Studis privat unterzubringen, waren bei Semesterstart noch 3.500 Immatrikulierte ohne Bude und muss-ten teils in Zelten und Baracken vorm Schloss hausen. In der Lebenswelt der Ratsherren kam dieses Problem aber gar nicht vor, darum erklärte der Wohnungsdezernent kurzerhand: »Es gibt in Münster keine Wohnungsnot!«

Darauf besetzten 30 Vertreter linker Studigruppen das Haus an der Grevener Straße ebenso kurzerhand. Es war eine der ersten Hausbesetzungen in der BRD. Solidaritätserklärungen kamen u.a. vom Bischof, der 100.000 DM (!) spendete, sowie von FDP-Möllemann, der die Besetzung in einem Interview sogar »begrüßte«. Von dieser breiten Zustimmung verunsichert, sah sich die Stadt genötigt, das Gebäude zu kaufen und dem AStA zur Vermietung zu verpachten.

Von dieser Aktion profitierten natürlich nur die 30 Besetzer; die übrigen Studis mussten warten, bis die Wohnheime nach und nach fertig wurden, was die Wohnungskrise wieder entspannte.
Heute steht das markante Eckhaus, inzwischen ein Denkmal linker Historie, immer noch dem alten Entwicklungsplan im Weg, weshalb seine Tage bald gezählt sein werden...


35 x mehr Studis als Wohnheimplätze bei gleichzeitig erheblichem Altbauleerstand - das sorgte 1972 für eine der ersten Hausbesetzungen
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