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[aus Archiv KW 48 vom 23.11.2009]

In dieser Woche vor 91 Jahren...

...wurde Münster von der Novemberrevolution gestreift.

Die politische Lage war unübersichtlich und extrem brisant: Die frische deutsche Republik unter Eberts SPD hatte sowohl links- als auch rechtsextreme Gegner. Um sich davor zu schützen, hielt es die Regierung für schlau, die Gegner von Rechts gegen die von Links einzusetzen und umgekehrt. Im November drohte Ebert & Co. das Pulverfass Deutschland um die Ohren zu fliegen...

Auch in Münster hatten Frontheimkehrer »Soldatenräte« gegründet, um gemeinsam mit kommunistischen Arbeitern eine »Räterepublik« zu installieren. Das war nicht im Sinne der SPD und man engagierte regierungstreue Soldaten, um dies zu verhindern: Nach der Rückkehr der »Dreizehner« aus dem Krieg kam es in Münster zur Bildung »spartakistischer«
Soldatenräte.

Flugs wurden auf der anderen Seite Freikorps und eine »Akademische Volkswacht« aus Studenten gegründet, welche die roten Spartakisten einhegen sollten. Immer weitere revolutionäre sowie regierungstreue Wehren und Wachen gründeten sich und standen sich bewaffnet gegenüber, z.B. vorm Rathaus und am Schloss. Als sich die Soldatenräte zerstritten, nutzten die Freikorps die Gelegenheit zur Verhaftung, bevor rote Arbeiterbrigaden von der Ruhr Münster erreichten.

Der nächste Putschversuch kam von Rechts und nun rief die Regierung auch in Münster alle Linken zum Gegenstreik auf. Doch als die Linken auf dieser Welle weitersurfen wollten, holte man rechte Militärs, um rote Arbeiter aus Coesfeld an der Besetzung Münsters zu hindern. Rechte wie Linke haben der Republik dieses Doppelspiel nie vergessen...



Regierungstreue Studenten bewachen das Rathaus vor roten Revoluzzern - in späteren Jahrzehnten ziemlich undenkbar...

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