[aus Archiv KW 49 vom 02.12.2009]
In dieser Woche vor 103 Jahren...
...wurde der Drubbel abgerissen.Im späten Mittelalter bauten die Münsteraner den Roggenmarkt zwischen Prinzipalmarkt, Lambertikirche und Altem Fischmarkt mit einem Haufen Häuser zu. Auf Niederdeutsch heißt ein Haufen von Dingen »Drubbel«, darum nannte man auch die zehn Häuser auf dem engen Fleck so, der kaum größer war, als eine Verkehrsinsel. Zwischen Drubbel und dem Bogengang des Prinzipalmarktes waren nicht mal fünf Meter Luft.
Einerseits waren die winzigen, windschiefen Häuser wegen ihrer Eigenart und Gemütlichkeit sehr beliebt, andererseits galt der Drubbel seit dem erhöhten Verlehrsaufkommen im Zuge der Industrialisierung als »ollen Staoh-in‘n-Weg«. Heiligabend 1905 brach im Drubbel Feuer aus. Die Münsteraner munkelten, das sei der Versuch des Stadtrates gewesen, das Verkehrshindernis »warm abzubrechen«.

Ein Jahr später kaufte die Stadt das originelle Gebäudeensemble zum stolzen Preis von rund 800 Mark für jeden der insgesamt 441 Quadratmeter. Die benachbarten Kaufleute boten den Mietern attraktive Abfindungen, weil sie auf geschäftliche Vorteile durch den endlich frei werdenden Verkehrsknoten spekulierten. Nachdem die letzte Mieterin schließlich ausgezogen war, wurde der Drubbel im Auftrag der Stadt noch einmal von allen Seiten fotografiert. Danach nutzte die
Feuerwehr die einmalige Chance, an den Häusern die Katastrophenlage eines Großfeuers unter realen Bedingungen zu üben. Die rauchenden Trümmer wurden anschließend abgerissen, was immerhin eine ganze Woche dauerte.
Der kleine Bruder des Drubbels auf dem Rosenplatz, der Lütke Drubbel, stand noch sechs weitere Jahre.
Das Bild zeigt, wie eng der alte Steh-im-Weg (vorne links) und Prinzipalmarkt zusammenstanden. Busverkehr wäre dazwischen unmöglich.