[aus Archiv KW 50 vom 09.12.2009]
In dieser Woche vor 56 Jahren...
...erlebte Münster den ersten »Bildungsstreik«Bildungsstreik ist keine Errungenschaft linker Hochschulgruppen. Schon zu Adenauers Zeiten hatten Münsters Schüler und Eltern die Nase von unzumutbaren Lernbedingungen voll.
Betroffen waren das Schillergymnasium und Paulinum.
Die beiden Traditionsschulen spielten von jeher eine besondere Rolle: Das Paulinum ist nicht nur eines der ältesten Gymnasien Deutschlands mit jeder Menge berühmter Abiturienten, sondern galt schon immer als Reform-Labor, in dem neue Pädagogik-Methoden zunächst an lebenden Schülern ausprobiert wurden, bevor man sie an anderen Schulen anwandte. »Das Schiller« dagegen war im katholischen Münsterland das erste evangelische und koedukative Gymnasium.

Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Schulen zusammengelegt, um die Verwaltung zu vereinfachen. Nach 1945 machten Kriegsschäden, die Ausstattung aus der Kaiserzeit sowie die katastrophale Raumenge einen normalen Unterricht unmöglich. Während Straßen- und Wohnungsbau überall große Fortschritte machten, war bis 1953 am Schiller-Paulinum noch nicht viel passiert. Bis es den Eltern reichte und sie (damals noch ohne ver.di-Tüten und Trillerpfeifen) auf die Barrikaden gingen und der Landesregierung mit unbefristetem Schulstreik bis zur
Behebung der Mängel drohten.
Mit erstaunlicher Wirkung: Die überraschten Minister versprachen sofortige Abhilfe und hielten auch noch tatsächlich Wort - die nötigen Ausbaumaßnahmen wurden umgehend in Angriff genommen. Geht doch.
Beide Schulen wurden 1974 von der Stadt Münster übernommen.
Dieser Betrieb wird bestreikt: Früher war das Paulinum an der Petrikirche (links). Erst nach dem Krieg wurde es am Stadtgraben neu aufgebaut.
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