[aus Archiv KW 51 vom 16.12.2009]
In dieser Woche vor 94 Jahren...
...explodierte Mauritz!An der Straße »Am Pulverschuppen«, zwischen Kanal und Warendorfer Straße, war damals die »militärische Munitionsanstalt Mauritzheide«. Hier wurden Patronen, Granaten und Schrapnells für den I. Weltkrieg gefertigt.
Weil es im Dezember kalt war, stand in einer Pulverbaracke ein Ofen. Daneben wurde Schießpulver aus offenen Fässern abgefüllt. Drei Tage vor Heiligabend kam es um 18.15 Uhr durch Funkenflug zum Brand. Um 18.40 Uhr traf die Feuerwehr ein. Die Feuerwehrleute konnten nur noch Deckung suchen: Um 18.57 Uhr flogen die Munitionslager in die Luft. In ganz Mauritz barsten Fenster und Dächer. Das Viertel war von Splittern übersät und musste bis zum Ring evakuiert werden! Bis 4 Uhr morgens detonierten Munitionsbaracken und hinterließen Krater von bis zu acht Metern Tiefe und 25 Metern Durchmesser! Es war die größte Explosionskatastrophe in Münsters Geschichte.

Das Knallen und Krachen war im ganzen Münsterland weithin zu hören und der Feuerschein bis zum Teuto sichtbar. Im nördlichen Ruhrgebiet und in Holland schlugen Seismographen aus!
Da es tagelang keine offizielle Erklärung gab hieß es bald: Die Engländer haben die Westfront durchbrochen und sind durch die Niederlande bis Westfalen vorgestoßen und bombardieren Münster! Mancherorts brach darauf Panik aus!
Bei der Ursachenforschung taten sich die Militärs sehr schwer und bestanden auf einem Sabotageakt durch englische Spione. Zehn Monate später schloss ein münsteraner Gericht seine Untersuchung mit dem nüchternen Befund grober Schlamperei ab. Fünf Menschen wurden bei dem Unglück getötet.
Vom Kanal bis zum Ring war Mauritz nach der Explosion des Pulverschuppens übersät mit Granathülsen und Blindgängern.
[zurück zum Archiv]