[aus Archiv KW 52 vom 23.12.2009]
In dieser Woche vor 60 Jahren...
... wurden die 6-Tage-Rennen wiederbelebt.Die legendären Fahrrad-Sechstagerennen waren schon zur Belle Epoque eine Massenattraktion. In Münster als Hochburg des Radrennsports waren in den 1920er Jahren ganze Stadt-viertel entvölkert, wenn die verrückten »Six Days« starteten - bis die Nazis die 6-Tage-Rennen als »unwürdiges Spektakel« verboten.
Vier Jahre nach dem Krieg begann der Boom der Hallenrennen erneut. Der Münsteraner Clemens Schürmann galt weltweit als der Experte schlechthin für den komplizierten Bau der hölzernen Steilbahnen. Aufgrund der besonders hohen Steilkurven galt Münsters Rennbahn als eine der schnellsten und gefährlichsten. Fahrern, Material und Zuschauern wurde alles abverlangt.
In den Nachkriegsjahren fuhren die Teilnehmer wegen Geldmangels um Sachpreise wie Zinkbadewannen und Schinken. Das Rennen zog bald auch wieder internationale Stars an.
1954 gelang in Münster sogar ein deutscher Gesamtsieg.

In den Siebziger Jahren trat das eigentliche Radrennen immer mehr in den Hintergrund und wurde zur Kulisse für trashige Rahmenprogramme. Das Sechstagerennen geriet immer mehr tatsächlich zum »entwürdigenden Spektakel«.
Der Münsteraner Radsport war zu dieser Zeit längst eingeschlafen und die legendäre Radrennbahn in Blitzdorf existierte nicht mehr. Nur die Kneipe »Zur Sportbahn« an der Emsstraße erinnert dem Namen nach noch daran.
Inzwischen sind die traditionellen Hallenrennen so gut wie ganz im Strudel der Doping-Imageskandale des Radsports verschwunden.
Das letzte 6-Tage-Rennen in Münster fand bereits 1987 statt.
Liebe Homies, dies ist keine Halfpipe, sondern Münsters Hallenradrennbahn. Darauf Rad zu fahren, war aber mindestens so brutal wie skaten.
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